Wer sich intensiv mit der Naturfotografie beschäftigt, kennt das Problem: Große Teleobjektive, stabile Stative und weiteres Zubehör machen Flugreisen nicht nur                             umständlich, sondern auch von Jahr zu Jahr teurer. Deshalb gewinnen Ziele, die sich bequem mit dem Auto oder Wohnmobil erreichen lassen, zunehmend an Bedeutung. Nach einigen Recherchen fiel meine Wahl schließlich auf den Norden Spaniens.

 

 Rund 1.350 Kilometer von München entfernt liegt an der Costa Brava die Stadt Empuriabrava in der Bucht von Roses. Unmittelbar daneben erstreckt sich das rund 4.800 Hektar große Naturschutzgebiet Aiguamolls de l'Empordà – die „Sümpfe des Empordà“ – eines der bedeutendsten Feuchtgebiete Kataloniens und ein Paradies für Naturfotografen.

 

 

 Bewährte Fotoreviere wie der Neusiedler See im österreichischen Burgenland oder die benachbarten Gebiete in Ungarn gehören zwar nach wie vor zu den interessantesten Regionen für die Vogel- und Naturfotografie, sind inzwischen jedoch vielerorts stark frequentiert. Umso gespannter war ich, ob sich die lange Anreise nach Nordspanien fotografisch wirklich lohnen würde.

 Mittlerweile habe ich das Aiguamolls de l'Empordà mehrfach mit dem Wohnmobil besucht. Leider muss ich feststellen, dass auch dieses bedeutende Feuchtgebiet von den Veränderungen der vergangenen Jahre nicht verschont geblieben ist. Wie in vielen anderen europäischen Naturreservaten ist der Vogelreichtum spürbar zurückgegangen.

 Besonders deutlich wurde diese Entwicklung für mich beim Mittelmeer-Laubfrosch (Hyla meridionalis). Früher war er in den feuchten Bereichen des Schutzgebietes vielerorts anzutreffen. Mit jedem weiteren Besuch wurde es jedoch schwieriger, diesen kleinen Froschlurch aufzuspüren. Gleichzeitig verstummte nach und nach auch das für laue Frühlingsnächte so typische Konzert der rufenden Laubfrösche – ein Verlust, den man als Naturbeobachter nicht nur sieht, sondern vor allem hört.

 Dennoch bietet das Gebiet dem Naturfotografen auch heute noch zahlreiche interessante Motive. Nach meinen Erfahrungen hat sich insbesondere der hintere Teil des Parks rund um den Aussichtsturm „Reisspeicher“ bis zum Durchgang an den Strand seine Attraktivität bewahrt. Wer sich Zeit nimmt und die Wege aufmerksam erkundet, findet hier auch heute noch eine bemerkenswerte Vielfalt an Tieren und immer wieder lohnende Fotomotive.

 

 

Unterkünfte und Anreise:

 Empuriabrava bietet für nahezu jeden Anspruch die passende Unterkunft. Das Angebot reicht vom einfachen Campingplatz bis zum komfortablen Hotel oder Ferienhaus. Besonders reizvoll sind die zahlreichen Ferienhäuser entlang der die Stadt durchziehenden Kanäle, die vielfach sogar über einen eigenen Bootsliegeplatz verfügen. Damit eignet sich Empuriabrava nicht nur für Naturfotografen, sondern auch hervorragend für einen Familienurlaub, bei dem sich Hobby und Erholung ideal miteinander verbinden lassen.

 Von München beträgt die Fahrstrecke rund 1.250 Kilometer. Wer sich mit dem Fahren abwechselt oder die Nacht nutzt, erreicht die Costa Brava bereits am nächsten Morgen und kann den ersten Tag oft schon für einen Besuch im Naturschutzgebiet nutzen.

 Auch die touristische Infrastruktur lässt kaum Wünsche offen. Zahlreiche Restaurants, Cafés und Bars sorgen für ein abwechslungsreiches gastronomisches Angebot. Mehrere Supermärkte sowie zahlreiche Fachgeschäfte und kleinere Läden decken den täglichen Bedarf problemlos ab.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Der Zugang zum Naturschutzgebiet ist über drei Eingänge möglich. Der erste befindet sich direkt in Empuriabrava und führt über eine Brücke, die den Riu Muga überquert.

 Die beiden weiteren Zugänge liegen an der Straße von Castelló d'Empúries nach Sant Pere Pescador. Wer zum Informationszentrum möchte, biegt links auf die ausgeschilderte Zufahrtsstraße ab. Dort befindet sich auch ein größerer, kostenpflichtiger Parkplatz.

 Folgt man der Straße weiter in Richtung Camping Nautic Almata, erreicht man in einer lang gezogenen Rechtskurve den Zugang zu den ehemaligen Reisspeichern, die heute als Aussichtstürme dienen. Auch hier steht ein Parkplatz zur Verfügung. Aufgrund der Höhenbegrenzung ist er jedoch für Wohnmobile nicht geeignet.

 Fährt man die Straße weiter bis zum Campingplatz, lassen sich bereits vom Fahrzeug aus die ehemaligen Reisbecken überblicken. Es lohnt sich, die Wasserflächen und Feuchtwiesen beiderseits der Straße aufmerksam zu beobachten. Schon hier ergeben sich häufig erste interessante Tierbeobachtungen und damit auch lohnende Fotomotive, noch bevor man das eigentliche Naturschutzgebiet zu Fuß erkundet.

 Der Camping Nautic Almata wird mit fünf Sternen ausgezeichnet. Meiner persönlichen Einschätzung nach rechtfertigt Ausstattung und Angebot den aufgerufenen Preis jedoch nicht.

 Durch das gesamte Naturschutzgebiet führt ein gut ausgebautes Wegenetz. Teilweise dürfen die Wege auch mit dem Fahrrad befahren werden, die meisten Abschnitte sind jedoch ausschließlich Fußgängern vorbehalten. Für Naturfotografen ist das von Vorteil, da sich viele Bereiche in angenehmer Ruhe erkunden lassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotografischer Rundgang:

 Beginnt man den Rundgang in Empuriabrava, führt der Weg zunächst an der Kläranlage vorbei. Gerade hier ist ein Fahrrad von Vorteil, denn bis zum eigentlichen Schutzgebiet sind einige Meter zurückzulegen. Unmittelbar dahinter erreicht man bereits die ehemaligen Wasser- beziehungsweise Klärbecken „Europa“, die heute zu den interessantesten Beobachtungsplätzen des Naturschutzgebietes zählen. Drei fest installierte Beobachtungshütten ermöglichen störungsfreie Tierbeobachtungen und bieten – je nach Wasserstand und Vegetationsentwicklung – hervorragende Voraussetzungen für die Naturfotografie. Brennweiten ab etwa 500 mm sind dabei durchaus empfehlenswert.

 Gerade diese künstlich entstandenen Wasserflächen zeigen eindrucksvoll, wie erfolgreich sich Lebensräume entwickeln können, wenn sie konsequent dem Naturschutz überlassen werden. Flachwasserzonen, Schilfgürtel und offene Wasserflächen bieten zahlreichen Wasservögeln, Watvögeln und Zugvögeln ideale Rast- und Brutbedingungen. Für Naturfotografen eröffnet sich dadurch bereits auf den ersten Metern eine erstaunliche Artenvielfalt.

 Neben häufigen Arten wie Blässhuhn (Fulica atra), Teichhuhn (Gallinula chloropus), Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis) und Stockente (Anas platyrhynchos) lassen sich regelmäßig auch für Mitteleuropa deutlich seltenere Arten beobachten. Dazu gehören Löffelente (Spatula clypeata), Schnatterente (Mareca strepera), Seidenreiher (Egretta garzetta), Silberreiher (Ardea alba), Purpurreiher (Ardea purpurea), Stelzenläufer (Himantopus himantopus), Löffler (Platalea leucorodia) sowie – mit etwas Glück – das eindrucksvolle Purpurhuhn (Porphyrio porphyrio). Je nach Jahreszeit kommen zahlreiche Limikolen hinzu. Insgesamt wurden im Naturschutzgebiet mehr als 320 Vogelarten nachgewiesen – ein eindrucksvoller Beleg für die internationale Bedeutung der Aiguamolls de l'Empordà als Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet für Wasservögel und Zugvögel.

 Nicht weit entfernt befindet sich eine größere Weißstorchkolonie, sodass regelmäßig einzelne Weißstörche (Ciconia ciconia) auf den Wasserflächen oder Wiesen nach Nahrung suchen. Die Rohrweihe (Circus aeruginosus) gehört hier zu den Brutvögeln, während im weiteren Jahresverlauf auch Bienenfresser (Merops apiaster) eintreffen. Auf den angrenzenden Feldern und Brachflächen lassen sich außerdem Feldlerche (Alauda arvensis), Haubenlerche (Galerida cristata), Girlitz (Serinus serinus) und der oft überhörte Zistensänger (Cisticola juncidis) beobachten.

 Der ausgeschilderte Weg führt anschließend in Richtung Informationszentrum. Durch ein Tor gelangt man vorbei an einer kleinen Schaffarm zu einem alten Gehöft. Wer hier nicht nur nach vorne schaut, sondern auch Mauern, Dächer und alte Bäume aufmerksam beobachtet, wird mit etwas Glück ein Brutpaar des Steinkauzes (Athene noctua) entdecken. Mehrere exponierte Ansitzwarten bieten ausgezeichnete Möglichkeiten für natürliche Aufnahmen – vorausgesetzt, man bringt ausreichend Geduld und eine gute Tarnung mit.

 Gerade an solchen Stellen zeigt sich die Philosophie des Naturschutzgebietes besonders deutlich. Die Beobachtungseinrichtungen ermöglichen intensive Naturerlebnisse, ohne die Tiere unnötig zu stören. Als Naturfotograf sollte man diese Möglichkeiten nutzen und sich stets bewusst machen, dass man Gast in einem sensiblen Lebensraum ist. Rücksicht und Geduld führen hier fast immer zu den besseren Bildern.

 

 

Fotografischer Rundgang (Fortsetzung):

 Nicht immer hatte ich allerdings den Eindruck, dass die im Park eingesetzten Ranger überall gleichzeitig präsent sein konnten. Gerade dann, wenn außergewöhnliche Situationen auch ein entsprechendes Eingreifen erforderlich gemacht hätten, schien häufig niemand in der Nähe zu sein. Andererseits tauchte oft genau in den Momenten ein Ranger auf, in denen man am wenigsten damit gerechnet hatte. Vielleicht gehört auch das zum Alltag eines so weitläufigen Naturschutzgebietes.

 Der Weg führt nun weiter durch ein abwechslungsreiches Brachgelände. Bereits hier beginnt ein Lebensraum, der sich deutlich von den Wasserflächen unterscheidet. In den offenen Wiesen und Brachflächen singen Grauammer (Emberiza calandra), Braunkehlchen (Saxicola rubetra) und Schwarzkehlchen (Saxicola rubicola). Mit etwas Glück zeigt sich auch der Rotkopfwürger (Lanius senator), der bevorzugt auf exponierten Ansitzwarten nach Insekten Ausschau hält. Zwischen den sandigen Wegrändern sonnen sich immer wieder Smaragdeidechsen (Lacerta bilineata), während die zahlreichen Kaninchenbaue erkennen lassen, wie reichhaltig das Nahrungsangebot für Greifvögel und andere Beutegreifer ist.

 Nach einiger Zeit erreicht man eine Abzweigung mit mehreren künstlich bewässerten Rieselfeldern. Leider sind diese Wasserflächen nicht ständig geflutet. Auch auf Nachfrage konnte mir niemand erklären, nach welchem Rhythmus oder aus welchen Gründen die Wasserstände verändert werden. Gerade diese wechselnden Wasserstände sind jedoch für viele Wat- und Wasservögel von entscheidender Bedeutung. Flache Uferbereiche bieten Limikolen ideale Nahrungshabitate, während etwas tiefere Wasserzonen bevorzugt von Enten, Reihern und anderen Wasservögeln genutzt werden. Deshalb lohnt es sich, diesen Bereich bei jedem Besuch erneut aufzusuchen – die Bedingungen und damit auch die fotografischen Möglichkeiten können sich innerhalb weniger Tage deutlich verändern.

 An dieser Weggabelung beginnt einer der abwechslungsreichsten Abschnitte des gesamten Rundgangs. Folgt man dem Weg nach links, erreicht man eine einzelne Wasserfläche mit Beobachtungshütte. Der rechte Weg führt in Richtung Informationszentrum. Unabhängig von der gewählten Route sollte man sich genügend Zeit nehmen und die Wasserflächen aufmerksam beobachten. Gerade hier ergeben sich häufig überraschende Tierbeobachtungen bereits auf dem Weg zur nächsten Beobachtungshütte.

 Folgt man dem rechten Weg weiter, passiert man ein weiteres altes Gehöft, dessen verwittertes Mauerwerk seit Jahren einem Brutpaar des Steinkauzes (Athene noctua) als Nistplatz dient. Mehrere exponierte Ansitzwarten bieten ausgezeichnete Voraussetzungen für natürliche Aufnahmen.

 Kurz darauf öffnet sich die Landschaft zu weitläufigen Feuchtwiesen, Schilf- und Binsenflächen. Von einer ausgeschilderten Beobachtungshütte bietet sich ein weiter Blick über das Gebiet. Je nach Jahreszeit bestehen hier gute Chancen auf verschiedene Reiherarten, Weißstörche (Ciconia ciconia), Entenvögel sowie gelegentlich Kormorane (Phalacrocorax carbo), Löffler (Platalea leucorodia) oder sogar Flamingos (Phoenicopterus roseus).

 Zur Landschaftspflege werden in diesem Bereich frei laufende Camargue-Pferde sowie Rinder eingesetzt. Sie tragen wesentlich dazu bei, die offenen Feuchtwiesen als Lebensraum für zahlreiche Vogelarten zu erhalten. Besonders in den frühen Morgen- und späten Abendstunden bestehen außerdem gute Chancen, Damwild (Dama dama) zu beobachten und zu fotografieren.

 Zum Abschluss dieses Abschnitts möchte ich noch auf einen Punkt hinweisen, der für jeden Naturfotografen wichtig ist. Die Aiguamolls de l'Empordà sind ein lebendiges Naturschutzgebiet. Wasserstände, Vegetation und Tierwelt verändern sich von Jahr zu Jahr teilweise erheblich. Ein Standort, der heute hervorragende Motive bietet, kann im nächsten Frühjahr völlig anders aussehen. Gerade diese ständige Veränderung macht für mich jedoch den besonderen Reiz dieses Gebietes aus.

 

 

Fotografischer Rundgang (Fortsetzung):

 Verlässt man die Beobachtungshütte, führt der Weg weiter zum Informationszentrum. Wer möchte, kann sich hier über das Naturschutzgebiet informieren oder einen kurzen Vortrag besuchen. Für den erfahrenen Naturfotografen stehen weniger die Ausstellungen als vielmehr die aktuellen Beobachtungen im Vordergrund. Dennoch lohnt sich ein kurzer Blick rund um das Gebäude, denn auch hier spielt sich überraschend viel Natur direkt vor den Augen der Besucher ab.

 Im und am Informationszentrum brüten regelmäßig Haussperling (Passer domesticus) und Star (Sturnus vulgaris). Im Dachgebälk zieht häufig der Wiedehopf (Upupa epops) seine Jungen groß. Daneben haben Türkentaube (Streptopelia decaocto) und Ringeltaube (Columba palumbus) ihre eher bescheidenen Nester in den Palmen angelegt, während der Stieglitz (Carduelis carduelis) die benachbarten Pappeln bevorzugt. Gerade hier zeigt sich eindrucksvoll, dass selbst die unmittelbare Umgebung eines Besucherzentrums für aufmerksame Naturbeobachter interessante Motive bereithält.

 Nur wenige Gehminuten südlich des Informationszentrums befindet sich bereits die nächste Beobachtungshütte. Die Wasserflächen lassen sich von hier hervorragend überblicken. Fotografisch hat dieser Standort allerdings einen kleinen Nachteil: Über weite Teile des Tages blickt man nahezu direkt gegen die Sonne. Wer dennoch hier fotografieren möchte, sollte die frühen Morgenstunden oder den späten Nachmittag bevorzugen, wenn das Licht deutlich weicher wird.

 Hinter dem Informationszentrum beginnt gleichzeitig der ruhigste Abschnitt des Naturschutzgebietes. Ab hier sind Fahrräder nicht mehr erlaubt und der Weg gehört ausschließlich den Fußgängern. Das macht sich sofort bemerkbar. Die Geräuschkulisse verändert sich, und mit ihr steigen die Chancen auf intensive Naturbeobachtungen.

 Besonders auffällig ist die hohe Dichte der Nachtigall (Luscinia megarhynchos). Während der Brutzeit scheint ihr Gesang nahezu den gesamten Weg zu begleiten. Ebenfalls regelmäßig zu hören ist der Seidensänger (Cettia cetti), dessen kräftige, oft überraschend laute Strophen meist aus dichtem Uferbewuchs erklingen, ohne dass sich der Vogel dem Beobachter zeigt.

 Am ersten Abzweig lohnt sich der Weg nach links. Schon nach wenigen Minuten erreicht man zwei weitere Beobachtungshütten mit ausgezeichnetem Blick auf Feuchtwiesen, kleine Wasserläufe und locker mit Weiden bestandene Flächen. Rechts des Hauptweges schlängelt sich ein schmaler Bach durch das Gelände. Dahinter liegen ausgedehnte Wiesen, auf denen die nahe gelegene Weißstorchkolonie regelmäßig auf Nahrungssuche geht. Gleichzeitig lassen sich hier – je nach Jahreszeit – Ibisse, Brachvögel und zahlreiche weitere Limikolen beobachten.

 Auch die offenen Wasserflächen bieten hervorragende Möglichkeiten zur Naturfotografie. Mit etwas Geduld zeigen sich hier regelmäßig Kuhreiher (Bubulcus ibis), Rallenreiher (Ardeola ralloides), Seidenreiher (Egretta garzetta) und Purpurreiher (Ardea purpurea). Wie immer entscheidet jedoch nicht nur die Anwesenheit der Tiere, sondern auch Licht, Wasserstand und eine Portion Glück darüber, ob am Ende wirklich außergewöhnliche Aufnahmen gelingen.

 Der Weg schlängelt sich nun weiter durch ein abwechslungsreiches Mosaik aus Wasserflächen, Schilfgürteln und Feuchtwiesen. Immer wieder laden kleine Ansitze und Beobachtungshütten zum Verweilen ein. Besonders reizvoll ist der gemauerte Ansitz an der sogenannten Kuhwiese sowie ein weiterer Pfahlansitz unmittelbar unter mehreren Weißstorchnestern. Überall im Gebiet helfen Informationstafeln dabei, die beobachteten Tierarten sicher zu bestimmen und vermitteln gleichzeitig interessante Einblicke in die Entstehung und Entwicklung dieses außergewöhnlichen Feuchtgebietes.

 Schließlich erreicht man ein ehemaliges Reisfeld, das heute teilweise eingezäunt und regelmäßig geflutet wird. Gerade diese flachen Wasserbereiche gehören zu den produktivsten Lebensräumen des gesamten Parks. Vor allem im südlichen Bereich entlang der Straße zum Campingplatz suchen Kuhreiher, Seidenreiher und Rallenreiher nach Nahrung. Hinzu kommen Braune Sichler (Plegadis falcinellus), verschiedene Seeschwalbenarten – darunter Weißbartseeschwalbe (Chlidonias hybrida) und Weißflügelseeschwalbe (Chlidonias leucopterus) – sowie Flamingos (Phoenicopterus roseus). Entlang der Ufer flitzen Regenpfeifer, während Stelzenläufer gut sichtbar unmittelbar neben dem Weg brüten.

 Die Beobachtungshütten am ehemaligen Reisspeicher erwiesen sich für mich immer wieder als hervorragender Standort, um in der Abenddämmerung Damwild (Dama dama) zu fotografieren. Gleichzeitig beginnt hier der Lebensraum des Mittelmeer-Laubfrosches (Hyla meridionalis). Leider sind seine nächtlichen Rufe in den vergangenen Jahren deutlich seltener geworden. Ergänzt wird das nächtliche Amphibienkonzert von der Iberischen Knoblauchkröte (Pelobates cultripes) und der Wechselkröte (Bufotes viridis).

 Folgt man schließlich dem Weg entlang des Weidezaunes weiter in Richtung Strand, erreicht man für mich den ergiebigsten Teil des gesamten Naturschutzgebietes. Schreitvögel, Watvögel, Singvögel, Amphibien und Insekten bieten hier während des gesamten Jahres abwechslungsreiche Motive. Selbst der ursprünglich aus Nordamerika eingeschleppte Rote Amerikanische Sumpfkrebs (Procambarus clarkii) gehört inzwischen zum Erscheinungsbild des Gebietes. Gerade diese außergewöhnliche Vielfalt macht die Aiguamolls de l'Empordà für mich bis heute zu einem der faszinierendsten Naturfotografie-Gebiete Europas.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anreise mit dem Wohnmobil:

 Nach mehreren Besuchen hat sich für mich eine Anfahrt über Sant Pere Pescador als die deutlich angenehmere und fotografisch interessantere Variante erwiesen. Wer das Naturschutzgebiet mit dem Wohnmobil besuchen möchte, sollte Empuriabrava im wahrsten Sinne des Wortes links liegen lassen. Das ebenfalls an der Mittelmeerküste gelegene Städtchen bietet mehrere Campingplätze in unterschiedlichen Kategorien und ist ein idealer Ausgangspunkt für ausgedehnte Fototouren.

 

Stellplatztipp:

Camping La Gaviota Costa Brava

Der Camping La Gaviota bietet nicht nur Komfort, einen freundlichen Service und ein ausgezeichnetes Restaurant, sondern liegt auch fotografisch ausgesprochen günstig. Moderne und saubere Sanitäranlagen, eine deutschsprachige Rezeption sowie Strom- und Wasseranschluss direkt am Stellplatz sorgen für einen angenehmen Aufenthalt. Die Ver- und Entsorgung befindet sich unmittelbar vor dem Campingplatz. Am Ortseingang von Sant Pere Pescador befindet sich außerdem eine Supermarkt-Tankstelle, deren Kraftstoffpreise nach meiner Erfahrung regelmäßig zu den günstigsten im weiten Umkreis gehören. Gerade vor längeren Ausflügen oder der Heimreise lohnt sich deshalb ein Tankstopp.

Bereits das Brachland zwischen Campingplatz, Fluss und Mittelmeer kann für den Naturfotografen durchaus Überraschungen bereithalten. Zu Fuß erreicht man den weitläufigen Strand in wenigen Minuten. Mit dem Auto beträgt die Fahrzeit zum östlichen Eingang des Naturschutzgebietes am ehemaligen Reisspeicher etwa fünfzehn Minuten, zum Informationszentrum rund zwanzig Minuten. Wohnmobilfahrer sollten allerdings beachten, dass der Parkplatz am Reisspeicher höhenbegrenzt ist und deshalb nur eingeschränkt genutzt werden kann.

 

Stellplatztipp:

Port Natura am Fluss Fluvià

Wer auf Komfort verzichten kann und stattdessen möglichst nahe an den interessantesten Fotorevieren stehen möchte, findet im Port Natura eine ausgezeichnete Alternative. Bereits am ersten Kreisverkehr vor der Brücke hält man sich links. Die Straße führt durch weitläufige Obstplantagen und anschließend entlang des Flusses bis zum Eingang des Stellplatzes. Nach dem Ziehen eines Tickets wird bei der Ausfahrt lediglich die tatsächliche Aufenthaltsdauer berechnet. Der Platz selbst bietet außer der Toilettenentsorgung kaum Service, dafür jedoch reichlich Stellfläche und vor allem eine Lage, die für Naturfotografen kaum besser sein könnte.

 

 Über eine schmale Fußgängerbrücke gelangt man direkt an den Strand und gleichzeitig zum meerseitigen Zugang der Aiguamolls de l'Empordà. Bereits hier beginnt für mich einer der schönsten Zugänge in das Naturschutzgebiet. Entlang der Wasserlinie halten sich das ganze Jahr über verschiedene Watvogelarten auf. Auch die Mündung des Fluvià wird regelmäßig von Reihern, Limikolen und anderen Wasservögeln zur Nahrungssuche genutzt. Spaziergänger, Wassersportler und Hundebesitzer gehören hier zwar zum Alltag. Dennoch scheinen sich viele Vogelarten an diese regelmäßigen Störungen inzwischen gut angepasst zu haben.

 Für mich ist dieser Zugang mittlerweile der reizvollste Weg in das Naturschutzgebiet. Bereits die Baumreihen entlang des Weges sorgen während der Zugzeiten immer wieder für Überraschungen. Wenig später überquert man einen schmalen Bohlensteg, an dem ich bei meinen letzten Besuchen die letzten Mittelmeer-Laubfrösche (Hyla meridionalis) beobachten konnte. Schließlich erreicht man das bereits mehrfach erwähnte ehemalige Reisfeld. Nach Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung wurden die Flächen gezielt renaturiert und werden heute kontrolliert geflutet. Die unterschiedlich tiefen Wasserflächen sowie die von gelegentlich dort weidenden Camargue-Pferden strukturierten und modellierten Ufer- und Vegetationsbereiche schaffen ideale Voraussetzungen für zahlreiche Wat- und Wasservögel.

 Bei meinen letzten Besuchen entwickelte sich dieses ehemalige Reisfeld mit Abstand zum ergiebigsten Fotorevier des gesamten Parks. Neben zahlreichen Vogelarten und Damwild (Dama dama) gelangen mir hier immer wieder Aufnahmen der Maulwurfsgrille (Gryllotalpa gryllotalpa). Nach Regen begegnet man auf den Wegen nicht selten auch dem aus Nordamerika eingeschleppten Roten Amerikanischen Sumpfkrebs (Procambarus clarkii). Unabhängig davon lassen sich hier regelmäßig die Iberische Mauereidechse (Podarcis hispanicus) und gelegentlich auch die Vipernatter (Natrix maura) beobachten.

 Auch nach mehreren Reisen entdecke ich hier bei jedem Besuch wieder neue Motive. Gerade diese ständigen Veränderungen, die große Artenvielfalt und die unterschiedlichsten Lebensräume sorgen dafür, dass ich immer wieder gerne an die Aiguamolls de l'Empordà zurückkehre. Für mich gehört dieses Naturschutzgebiet mit seinen abwechslungsreichen Lebensräumen und dem ehemaligen Reisfeld heute zu den interessantesten Fotorevieren Nordspaniens.