Wer als Naturfotograf von München einmal nicht in den Nationalpark Bayerischer Wald, den Wildpark Poing oder an den Isar-Oberlauf fahren möchte, für den ist der Federsee in Baden-Württemberg ein ausgesprochen lohnendes Ziel. Selbst für einen Tagesausflug ist das größte Moorgebiet Südwestdeutschlands gut erreichbar. Wer jedoch mehrere Tage bleibt, wird schnell feststellen, dass sich die fotografischen Möglichkeiten von Sonnenaufgang bis in die Abendstunden täglich verändern und ein Wochenende oft kaum ausreicht.
Viele Naturfotografen kennen den Federsee aus Berichten in Fotozeitschriften. Vor allem die teilweise beeindruckenden Ansammlungen der Bartmeise (Panurus biarmicus) im Herbst haben das Gebiet weit über Baden-Württemberg hinaus bekannt gemacht. Doch der Federsee bietet deutlich mehr als diesen einen fotografischen Höhepunkt. Ausgedehnte Schilfflächen, artenreiche Streuwiesen, offene Wasserflächen und die besondere Moorlandschaft schaffen einen Lebensraum, der zu jeder Jahreszeit neue Motive bereithält.
Von München erreicht man den Federsee über die A8 Richtung Stuttgart, weiter über die A7 und anschließend über die B312 beziehungsweise B30 in Richtung Biberach an der Riß. Von dort sind es nur noch wenige Kilometer bis in die Kurstadt Bad Buchau. Je nach Verkehr beträgt die Fahrzeit etwa zweieinhalb Stunden.
Bereits bei der Ankunft wird deutlich, welchen Stellenwert der Natur- und Landschaftsschutz hier besitzt. Herzstück des Gebietes ist der mehrere Kilometer lange Holzsteg, der sich durch ausgedehnte Streuwiesen, Schilfgürtel und Moorflächen bis an den offenen See schlängelt. Er ermöglicht einmalige Naturbeobachtungen, ohne die empfindlichen Lebensräume zu beeinträchtigen.
Der Zugang zum Steg ist kostenpflichtig. Für Wohnmobilisten, die den unmittelbar daneben gelegenen Stellplatz nutzen, entfällt der Eintritt jedoch gegen Vorlage des Stellplatztickets.
Nur wenige Gehminuten entfernt befindet sich außerdem das vom BUND betreute Naturschutzzentrum Federsee. Ein Besuch lohnt sich unbedingt. Neben einer hervorragend gestalteten Ausstellung erhält man wertvolle Informationen über Flora, Fauna und die Entstehungsgeschichte des Federseemoores. Außerdem werden regelmäßig geführte Exkursionen angeboten. Nicht weit davon entfernt liegt das Federseemuseum mit seinen Rekonstruktionen vorgeschichtlicher Pfahlbausiedlungen. Ein Besuch ist sicherlich empfehlenswert, auch wenn es während unserer Aufenthalte leider jedes Mal geschlossen hatte.
Stellplatztipp:
Der Wohnmobilstellplatz befindet sich auf dem hinteren Bereich des großen Parkplatzes unmittelbar am Federseemuseum und damit nur wenige Schritte vom Eingang des Holzsteges entfernt. Der befestigte Untergrund ist überwiegend eben; für einen komfortablen Stand sind kleine Auffahrkeile dennoch empfehlenswert.
Die Stellplatzgebühr betrug im Jahr 2024 12,50 Euro pro 24 Stunden. Bezahlt wird bequem am Kassenautomaten, wahlweise bar oder mit EC- beziehungsweise Kreditkarte.
Mehrere Stromsäulen stehen auf dem Stellplatz zur Verfügung. Der Stromverbrauch wird mit 0,50 Euro pro Kilowattstunde direkt am jeweiligen Stromverteiler berechnet. Hierfür werden 50-Cent-Münzen benötigt. Wer mehrere Tage bleibt, sollte deshalb ausreichend Kleingeld bereithalten oder gelegentlich nachwerfen.
Unmittelbar neben der Ausfahrt befindet sich außerdem eine moderne Ver- und Entsorgungsstation mit Frischwasser, Grauwasserentsorgung und Möglichkeit zur Toilettenentleerung. Ein weiterer Wohnmobilstellplatz liegt in unmittelbarer Nähe der Kurklinik und bietet ebenfalls eine gute Alternative.
Am schönsten erlebt man den Federsee in den frühen Morgenstunden. Noch bevor die ersten Besucher den Holzsteg betreten, liegt häufig Nebel über den Moorflächen, während die aufgehende Sonne das Schilf in ein warmes Licht taucht. Genau jetzt beginnt die interessanteste Zeit für Naturfotografen. Bereits entlang der ersten Meter des Steges lohnt sich ein aufmerksamer Blick in die angrenzenden Wiesen. Mit etwas Glück zeigen sich Reh (Capreolus capreolus) oder Rotfuchs (Vulpes vulpes). Entlang der wasserführenden Gräben stehen häufig Graureiher (Ardea cinerea), während sich im Herbst und Winter regelmäßig auch Silberreiher (Ardea alba) beobachten lassen.
Mit Beginn des Vogelzuges im Frühjahr erscheinen zahlreiche Singvogelarten. Besonders begehrt ist dabei das Blaukehlchen (Luscinia svecica), das zweifellos zu den fotografischen Höhepunkten des Federsees zählt. Wer aufmerksam lauscht, wird schon bald die ersten Reviergesänge aus den Schilfflächen hören. Mit den ersten warmen Tagen beginnt außerdem die Rohrammer (Emberiza schoeniclus) ihre Reviere zu besetzen. Nach frostigen Nächten entstehen besonders reizvolle Motive, wenn sie auf von Reif überzogenen Schilfhalmen ihre kurzen Strophen vorträgt. Gerade in den frühen Morgenstunden lohnt es sich, etwas Geduld mitzubringen und das wechselnde Licht für stimmungsvolle Aufnahmen zu nutzen.
Gleichzeitig beginnt das eigentliche Reich der Bartmeise (Panurus biarmicus). Besonders im Herbst sammeln sich die Vögel gemeinsam mit großen Schwärmen des Stars (Sturnus vulgaris) in den ausgedehnten Schilfbeständen entlang des Steges. Wer sich jedoch ausschließlich auf die bekannten Hotspots konzentriert, übersieht häufig die weitaus reizvolleren Motive.
Wer dem Holzsteg weiter folgt – vorbei am Aussichtsturm – erreicht schon bald die Bootshütte, die links des Weges liegt und über einen abgesperrten Holzsteg erreichbar wäre. Sie hat unter Naturfotografen inzwischen einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt. Der Grund dafür ist einfach: Hier bringt der NABU Sand aus, den die Bartmeise (Panurus biarmicus) zur Verdauung ihrer Samen benötigt. Dieses natürliche Verhalten nutzen die Vögel regelmäßig, wodurch sie sich oft in unmittelbarer Nähe der Hütte beobachten und fotografieren lassen.
Leider hat genau dieser Umstand dazu geführt, dass sich hier besonders während der Herbstmonate nicht selten größere Gruppen von Fotografen versammeln. Wo viele Menschen mit demselben Motiv rechnen, bleiben Hektik und gegenseitige Rücksichtslosigkeit manchmal nicht aus. Das ist schade, denn gerade in einem sensiblen Naturschutzgebiet sollte das Wohl der Tiere stets Vorrang vor dem Wunsch nach einem außergewöhnlichen Foto haben.
Wer sich davon nicht anstecken lässt, wird schnell feststellen, dass der Federsee weit mehr bietet als diesen bekannten Hotspot. Es lohnt sich, den Trubel bewusst hinter sich zu lassen und den Steg langsam weiterzugehen. Mit offenen Augen und Ohren entdeckt der aufmerksame Naturbeobachter immer wieder Bartmeisen (Panurus biarmicus), die weit abseits der Menschen im Schilf nach Nahrung suchen oder sich für kurze Zeit frei auf den Schilfhalmen zeigen. Gerade dort entstehen häufig die wesentlich natürlicheren und stimmungsvolleren Aufnahmen.
Je weiter man dem Holzsteg in Richtung Stegende folgt, desto mehr öffnet sich die Landschaft. Die dichten Schilfbestände gehen allmählich in offene Wasserflächen über. Jetzt lohnt sich ein besonders aufmerksamer Blick entlang der Uferzonen. Häufig zeigen sich hier Graureiher (Ardea cinerea) und Silberreiher (Ardea alba). Mit etwas Glück fliegt plötzlich ein Eisvogel (Alcedo atthis) pfeilschnell über den Steg oder setzt sich für wenige Sekunden auf einen Schilfhalm. Während der Wintermonate kann sogar die äußerst scheue Rohrdommel (Botaurus stellaris) für eine unvergessliche Begegnung sorgen.
Wie so oft in der Natur gilt auch hier: Nicht die Kamera entscheidet über ein gutes Bild, sondern derjenige, der das Motiv zuerst entdeckt. Wer die Vögel rechtzeitig wahrnimmt und ihnen genügend Raum lässt, wird häufig mit außergewöhnlichen Aufnahmen belohnt.
Nicht vergessen werden dürfen die beeindruckenden Morgenstimmungen, für die der Federsee weit über die Region hinaus bekannt ist. Bodennebel ziehen langsam über die Wasserflächen, das erste Sonnenlicht lässt das Schilf golden leuchten und verleiht der Moorlandschaft eine beinahe mystische Atmosphäre. Allerdings zeigt sich die Natur nicht immer von ihrer kooperativen Seite. Besonders im Herbst hält sich der Nebel oft hartnäckig und kann einen ganzen Fototag nahezu vollständig verschlucken. Geduld gehört deshalb am Federsee ebenso zur Ausrüstung wie Kamera und Stativ.
Wer mehrere Tage mit dem Wohnmobil in Bad Buchau verbringt, findet in der Adelindis Therme mit ihrer großzügigen Saunalandschaft einen angenehmen Ausgleich – insbesondere dann, wenn der Partner die Leidenschaft für die Naturfotografie nicht ganz teilt. Auch der gepflegte Kurpark lädt zu einem Spaziergang ein. Für Naturfotografen hält er jedoch noch eine besondere Überraschung bereit.
Mit etwas Geduld lassen sich hier regelmäßig Biber (Castor fiber) beobachten. Besonders in den Abendstunden verlassen sie den Bachlauf und ziehen auf die angrenzenden Wiesen, oft noch bei erstaunlich gutem Fotolicht. Wer dieses Schauspiel erleben möchte, sollte sich rechtzeitig und möglichst unauffällig positionieren. Ruhe ist dabei der wichtigste Begleiter. Leider kommt es auch hier gelegentlich vor, dass ungeduldige Fotografen den Tieren zu nahe kommen und sie dadurch vertreiben. Ein respektvoller Abstand und Geduld führen am Ende fast immer zu den besseren Bildern.
Ob sich die Biber heute noch regelmäßig an dieser Stelle beobachten lassen, sollte man vor jeder Reise aktuell erfragen.
Auch der sogenannte Wackelwald, dessen federnder Moorboden seinem Namen alle Ehre macht, ist einen Besuch wert. Fotografisch spielt er zwar eher eine untergeordnete Rolle, vermittelt aber eindrucksvoll den Charakter dieser einzigartigen Moorlandschaft. Bad Buchau selbst lädt anschließend zum Bummeln und Verweilen ein. Über Restaurants und Cafés möchte ich bewusst keine Empfehlung aussprechen – zu unterschiedlich sind die persönlichen Geschmäcker.
Fazit
Der Federsee gehört für mich zu den interessantesten Naturfotografie-Gebieten Süddeutschlands. Wer bereit ist, früh aufzustehen, sich Zeit zu nehmen und die Natur aufmerksam zu beobachten, wird mit außergewöhnlichen Tierbeobachtungen, stimmungsvollen Landschaften und immer wieder überraschenden Motiven belohnt. Dank der guten Wohnmobil-Infrastruktur eignet sich das Gebiet sowohl für einen spontanen Tagesausflug als auch für einen mehrtägigen Aufenthalt. Gerade diese Kombination aus hervorragenden Fotomöglichkeiten, intakter Natur und kurzen Wegen macht den Federsee zu einem Ziel, das ich jedem Naturfotografen – auch mit nicht fotografierender Begleitung – uneingeschränkt empfehlen kann.










