In alpinen Prospekten fiel mir immer wieder die Bieler Höhe im Montafon in Vorarlberg auf – ebenso die Möglichkeit, dort mit dem Wohnmobil zu übernachten. Schließlich machten wir uns selbst auf den Weg und wurden nicht enttäuscht. Eindrucksvolle Berglandschaften und zahlreiche fotografische Motive, sowohl für Landschafts- als auch für Tierfotografen, machten die Reise zu einem besonderen Erlebnis.

 

Stellplatztipp:

Camping Auhof in Bürs

 Von Bregenz kommend und der Autobahn folgend erreichten wir den Camping Auhof in Bürs. Der Stellplatz liegt auf einem Bauernhof auf grüner Wiese, ist einfach gehalten, überzeugt jedoch mit gepflegten, zweckmäßigen und sauberen Sanitäranlagen. Wer die hausgemachten Wurstwaren probiert, wird kaum enttäuscht sein – insbesondere das Geräucherte ist aus meiner Sicht außergewöhnlich gut. Über ein Lob freut sich besonders die freundliche Chefin des Hauses.

 Die Anfahrt durch das Industriegebiet wirkt zunächst etwas ungewohnt, weshalb man dem Navigationssystem vertrauen sollte. Die Preise sind moderat, die nahe Autobahn ist kaum zu hören und die Lage eignet sich hervorragend, um die abwechslungsreiche Umgebung zu erkunden. Besonders schön wurde unser Aufenthalt dadurch, dass unsere Freunde Beate und Achim mit ihren Beagles zufällig den Stellplatz neben uns bezogen.

 

 Zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreicht man in kurzer Zeit den nahe gelegenen Berghang. Die Kamera sollte dabei auf keinen Fall fehlen. Entlang der Wanderwege finden Makrofotografen eine beeindruckende Vielfalt an Motiven – darunter verschiedene Bockkäfer, zahlreiche Bläulinge, Edelfalter und Scheckenfalter sowie viele blühende Pflanzen vom Frühjahr bis weit in den Sommer hinein.

 Eine leichte, aber abwechslungsreiche Wanderung führt durch die Bürser Schlucht entlang des Baches zu mehreren Kaskaden und dem Bürser Wasserfall. Besonders die vielfältige Flora macht diesen Weg lohnenswert. Lediglich an schönen Tagen sollte man mit entsprechend vielen Wanderern und Hunden rechnen.

 


 

 Ein weiteres, vom Camping Auhof schnell erreichbares Ausflugsziel ist das Brandnertal. Die Strecke führt zunächst entlang des Flusses Alvier, anschließend durch den Ort Brand und weiter auf der L82 bis zur Talstation der Lünerseebahn. Großzügige, kostenpflichtige Parkplätze ermöglichen auch Wohnmobilen einen problemlosen Aufenthalt.

 Die Seilbahn bringt Besucher während der Betriebszeiten bequem zum Lünersee. Alternativ kann der Aufstieg auch zu Fuß erfolgen. Der Rundweg um den See lässt sich in etwa zwei Stunden bewältigen und bietet während der gesamten Wanderung eindrucksvolle Ausblicke auf die umliegende Bergwelt. Über allem erhebt sich das markante Schesaplana-Massiv. Gastronomische Angebote sind vorhanden, wurden von uns jedoch nicht genutzt und können daher nicht bewertet werden.

 Aus fotografischer Sicht zählt dieses Gebiet zu den schönsten Zielen der Region. Zahlreiche Hochgebirgspflanzen, darunter Kohlröschen (Nigritella), Händelwurz (Gymnadenia), Zwergprimel (Primula), Küchenschellen (Pulsatilla) und viele weitere Hochgebirgspflanzen bieten über Wochen hinweg eine außergewöhnliche Motivvielfalt.

 An der Bergstation konnten wir Schneefinken (Montifringilla nivalis) beobachten, außerdem Hausrotschwänze (Phoenicurus ochruros) und Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe). Säugetiere bekamen wir zwar nicht zu Gesicht, hörten jedoch mehrfach die Warnrufe eines Murmeltiers (Marmota marmota).

 

  

 Kurz darauf waren wir wieder ins Montafon unterwegs. Über Bludenz und die Rheintalautobahn erreichten wir die Autobahnausfahrt Bludenz-Brunnenfeld. Von dort führt die Silvretta Straße L188 über St. Gallenkirch weiter zur Silvretta-Hochalpenstraße.

Stellplatztipp:

Waldcamping Batmund in St. Gallenkirch

 Der Waldcamping Batmund war diesmal unser Ziel. Unsere anfängliche Skepsis wegen der Nähe zur Straße verflog bereits nach kurzer Zeit. Wir fanden einen teilweise schattigen Platz am Fluss mit einem sauber parzellierten Bereich für Wohnmobile und Stromanschlüssen für jeweils zwei Stellplätze vor. Besonders positiv fielen uns der geschmackvoll geflieste, großzügig bemessene, moderne und ausgesprochen saubere Sanitärbereich sowie die sehr freundlichen Damen im Empfangshäuschen auf. Alles in allem ein hervorragender Platz.

 Ein Spaziergang mit der Kamera auf dem Wanderweg entlang des Flusses war durchaus lohnend. Das rege Insektenleben bietet Makrofotografen nahezu unbegrenzte Möglichkeiten. Zudem erschließen mehrere Bergbahnen in der Umgebung ein weitläufiges fotografisches Umfeld. Zahlreiche Wasserfälle und Aussichtspunkte laden zu weiteren Erkundungen ein. Auch ein genauerer Blick auf Google Maps zeigt in der Region eine Vielzahl interessanter Naturziele.

 Von hier aus ging es weiter auf die Silvretta-Hochalpenstraße. Für die Fahrt wurde Maut erhoben. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs war nach Auskunft an der Mautstelle eine Übernachtung auf dem Stellplatz an der Bieler Höhe darin enthalten.

 Die Straße ist landschaftlich ein Traum, fahrerisch jedoch durchaus anspruchsvoll. Zahlreiche sehr enge Kehren verlangen entsprechende Aufmerksamkeit. Ich fuhr mehrfach mit gesetztem Blinker weiter, um schnelleren Pkw und Motorrädern das Überholen zu ermöglichen. Wer die Landschaft wirklich genießen möchte sollte unterwegs immer wieder die vorhandenen Parkbuchten nutzen.

 Der Stellplatz an der Bieler Höhe liegt linksseitig kurz vor dem Parkplatz am Silvrettastausee. Je nach Jahreszeit empfiehlt es sich, den Platz für das Wohnmobil frühzeitig anzufahren, da die Nachfrage nach Übernachtungsmöglichkeiten hoch ist und keine weiteren Nachtstellplätze in unmittelbarer Nähe vorhanden sind. Toiletten, Duschen und Stromanschlüsse gibt es nicht. Vorhanden sind jedoch ein ebener, kiesiger Untergrund sowie mobile Toiletten am Eingang des Rundweges neben der Staumauer. Gastronomische Angebote stehen in begrenztem Umfang zur Verfügung.

 Fotografisch sind bereits die Wiesen unmittelbar am Stellplatz ausgesprochen interessant. Hier findet sich eine bemerkenswerte Vielfalt alpiner Blühpflanzen, wie sie für diese Höhenlage zu erwarten ist. Relativ wenig scheu zeigten sich Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe) und Bergpieper (Anthus spinoletta). Unterhalb des Stellplatzes waren an den Almen außerdem Hausrotschwänze (Phoenicurus ochruros) zu beobachten. Mit etwas Glück begegnet man hier auch dem Alpenmurmeltier (Marmota marmota).

 Auch die kleine Barbarakapelle oberhalb der Gaststätten ist mit der Bergkulisse des Piz Buin im Hintergrund ein lohnendes Fotoziel. Zahlreiche weitere Motive finden sich entlang der Wege, die am Parkplatz des Silvretta-Stausees über die Staumauer in Richtung Piz Buin oder als Rundweg ihren Ausgang nehmen.

 Botanisch fand ich hier nahezu alles, was das zentrale Gebirge der Alpen zu bieten hat: vom Alpen-Fettkraut (Pinguicula alpina) bis zum Allermannsharnisch (Allium victorialis), von den Läusekräutern (Pedicularis) bis zum Alpenmaßliebchen (Aster bellidiastrum). Hinzu kommen große Flächen der Rostblättrigen Alpenrose (Rhododendron ferrugineum).

 Unter den Orchideen fallen im Sommer besonders die Grüne Hohlzunge (Dactylorhiza viridis; Synonym: Coeloglossum viride) und die Höswurz oder Weißzüngel (Pseudorchis albida) auf. Nahe den Schneefeldern sind außerdem die Zwerg-Primel (Primula minima), verschiedene Tragant-Arten (Astragalus) und Soldanellen (Soldanella) anzutreffen.

 

 

 Zahlreiche Bergwanderer und Alpinisten waren unterwegs. Von der Bieler Höhe starten mehrere lohnende Wanderwege und Klettersteige. Auch der Piz Buin, mit 3.312 Metern der höchste Berg Vorarlbergs, ist von hier aus erreichbar. Mehrere Berghütten bieten unterwegs Übernachtungsmöglichkeiten. Nahezu auf Schritt und Tritt begegnet man dem Bergpieper (Anthus spinoletta) und dem Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe), die diese hochalpine Landschaft eindrucksvoll begleiten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Richtung Galtür sollen noch das Skigebiet Silvapark, der Kopssee sowie der kleinere, landschaftlich reizvoll gelegene Zeinissee erwähnt werden. Direkt am Ufer des Zeinissees befindet sich der idyllisch gelegene Camping Zeinissee, der sich hervorragend als Ausgangspunkt für Wanderungen und Naturbeobachtungen eignet.

 

Stellplatztipp:

Camping Zeinissee

 Hat man die Bieler Höhe überquert und fährt in Richtung Galtür bergab, erreicht man kurz hinter der Mautstelle den Abzweig zum Zeinisjoch. Auf der dortigen Beschilderung wird dieses Ziel auch als „Weiberhimmel“ ausgewiesen – ein ungewöhnlicher Name, der vielen Reisenden sofort ins Auge fällt. Am Ende der Straße liegt auf der rechten Seite der auf 1.820 m Höhe gelegene Zeinissee, eingebettet in ein beeindruckendes Bergpanorama. Direkt am Seeufer befindet sich der Camping Zeinissee.

 Der kleine Campingplatz überzeugte uns mit seiner außergewöhnlich schönen Lage, einer sehr freundlichen Gastgeberin sowie einer hervorragenden Gastronomie. Die Sanitäranlagen und Toiletten befanden sich während unseres Aufenthalts in einem tadellosen Zustand und wurden mehrmals täglich gereinigt.

 Weniger überzeugt hat mich die damals vorgeschriebene Mindestaufenthaltsdauer. Ich bin nicht bereit, das Wetterrisiko durch mehrere verbindlich zu buchende Übernachtungen finanziell mitzutragen. Gerade für viele Wohnmobilreisende gehört es zum Reisekonzept, die Route und Aufenthaltsdauer den Wetterbedingungen und den fotografischen Möglichkeiten flexibel anzupassen.

 

 

Hinweise zur Rückreise

 Für die Rückfahrt bieten sich grundsätzlich zwei unterschiedliche Routen an:

  • Über Garmisch-Partenkirchen: Von der Silvretta-Hochalpenstraße führt die Strecke über Ischgl, Imst, Grainau und Garmisch-Partenkirchen weiter zur A95 in Richtung München. Besonders während der Ferienzeit, an Wochenenden oder bei hohem Ausflugsverkehr ist auf dieser Strecke mit erheblichem Verkehrsaufkommen, Baustellen und längeren Ortsdurchfahrten zu rechnen. Fahrzeiten von sechs bis sieben Stunden sind daher durchaus realistisch.
  • Über Bludenz und Lindau: Deutlich entspannter verläuft nach meiner Erfahrung die Rückfahrt über Bludenz auf die Rheintal-/Walgauautobahn A14 und anschließend über die A96 in Richtung München. Die Strecke ist zwar etwas länger, lässt sich aber meist deutlich stressfreier fahren. Für die Benutzung der österreichischen Autobahnen ist allerdings eine gültige Vignette erforderlich.