Nach mehreren Reisen entlang der bretonischen Küste beschränkten wir uns im Frühjahr 2026 bewusst auf ihren südlichen Teil und begannen unsere Wohnmobiltour an der Atlantikküste nahe Guérande. Die zur historischen Bretagne gehörende französische Stadt liegt im Département Loire-Atlantique in der Region Pays de la Loire und ist mit ihrem historischen Stadtkern unbedingt einen Besuch wert.

 

 Doch zunächst der Reihe nach.

 Nachdem im Frühjahr 2026 – nicht zuletzt durch die Entwicklung der Kraftstoffpreise – die Reisekosten deutlich gestiegen waren, beschlossen wir, einmal mautfrei an den Atlantik zu fahren. Vorweggenommen: Mit Google Maps und zwei Zwischenübernachtungen funktionierte das hervorragend. Am Abend starteten wir unsere Reise, überquerten bei Iffezheim den Rhein und erreichten den kleinen Ort Hatten, wo wir unmittelbar neben einem Militärmuseum auf einem Wohnmobilstellplatz übernachteten.

 

Stellplatztipp:

Aire de camping-car Hatten

10 Rue de l'Abri, 67690 Hatten, Frankreich

Geteerter, beleuchteter Stellplatz ohne Stromversorgung und Entsorgungsmöglichkeit.

Hinweis: Dieser Stellplatz ist ausschließlich über die App Stellplatz-Radar auffindbar.

 

 Am folgenden Tag suchten wir uns mit der App Stellplatz-Radar in einem kleinen Dorf einen weiteren ausgewiesenen und beleuchteten Stellplatz in unmittelbarer Ortsnähe. Auch dort verbrachten wir – frei stehend, aber mit einem durchaus sicheren Gefühl – eine ruhige Nacht.

 Am frühen Nachmittag des dritten Reisetages erreichten wir schließlich unser Ziel westlich von Nantes. In der Region Guérande steuerten wir den kleinen Ort Batz-sur-Mer an und bezogen auf dem Flower Camping Les Paludiers Quartier.

 

Stellplatztipp:

Flower Camping Les Paludiers

 Schöner Campingplatz mit großzügigen Stellplatzparzellen sowie Strom-, Wasser- und Entsorgungsanschluss. Restaurant, Shop, Brötchenservice und ein großer, modern überdachter Swimmingpool gehören ebenfalls zur Ausstattung.

Preis in der Vorsaison Frühjahr 2026: 22 Euro.

 Warum ausgerechnet hier?

 Zum einen hatte uns Guérande bereits auf einer früheren Reise mit seiner vollständig erhaltenen historischen Stadtmauer beeindruckt. Zum anderen wurde das Naturschutzgebiet Réserve ornithologique des Traicts du Croisic als besonders interessantes Beobachtungsgebiet beschrieben. Außerdem hoffte ich, in den weitläufigen Salinen interessante Motive entdecken zu können.

 

 

 Um es vorwegzunehmen: Im Hafen des benachbarten Le Croisic fanden wir ein hervorragendes Fischgeschäft. In den Salinen selbst waren zur damaligen Jahreszeit allerdings überwiegend die üblichen Vogelarten zu beobachten. Dazu gehörten Turmfalke (Falco tinnunculus), Flussregenpfeifer (Charadrius dubius), Säbelschnäbler (Recurvirostra avosetta), Stelzenläufer (Himantopus himantopus), Lachmöwe (Chroicocephalus ridibundus), Schafstelze (Motacilla flava), Haubenlerche (Galerida cristata) und Bluthänfling (Linaria cannabina). Sicher wären noch weitere Arten zu entdecken gewesen, jedoch keine, die ich nicht bereits aus vergleichbaren Gebieten kannte.

 Als ausgesprochen lohnend erwies sich dagegen der Küstenabschnitt westlich des Campingplatzes. Nach dem Überqueren der Straße erreichte man bereits nach wenigen hundert Metern den Sandstrand. Südlich davon schloss sich eine mehrere hundert Meter lange Felsformation an, die mit zunehmender Ebbe immer weiter trockenfiel und dadurch große begehbare Flächen freigab.

 Gerade dieser Küstenabschnitt erwies sich als fotografisch besonders ergiebig. Neben zahlreichen Steinwälzern (Arenaria interpres) hielten sich dort regelmäßig sehr scheue Brandgänse (Tadorna tadorna) auf. Silbermöwen (Larus argentatus) und Mantelmöwen (Larus marinus) suchten zwischen den Felsen nach Nahrung, während Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula) die Sandflächen entlangliefen. Außerdem konnten Sanderlinge (Calidris alba), Meerstrandläufer (Calidris maritima), Sichelstrandläufer (Calidris ferruginea) und Alpenstrandläufer (Calidris alpina) bei der Nahrungssuche beobachtet werden.

 Das fotografische Highlight waren jedoch die zu dieser Zeit durchziehenden Pfuhlschnepfen (Limosa lapponica).

 
 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Man lernt nie aus.

 So machte uns ein Nachbar auf dem Campingplatz auf eine Stellplatzkette aufmerksam, die wir bis dahin noch nicht kannten: Camping-Car Park. Dieses Netz betreibt nicht nur in Frankreich, sondern auch in anderen Ländern zahlreiche kleinere Wohnmobilstellplätze. Sie liegen mal zweckmäßig an Hauptstraßen oder in der Nähe von Ortszentren, häufig aber auch ausgesprochen idyllisch. Die meisten verfügen über Frischwasser, Entsorgung und Stromanschluss.

 Die Nutzung ist denkbar einfach. Bei der ersten Anfahrt registriert man sich am Einfahrtsterminal und erhält für einmalig fünf Euro eine dauerhaft gültige Zugangskarte im Scheckkartenformat. Anschließend lädt man die zugehörige App herunter – entweder über den beschriebenen Link oder per QR-Code – und hinterlegt ein Guthaben. Bei mir funktionierte das Aufladen zunächst nicht, doch ein kurzer Anruf bei der Servicenummer – teilweise sogar deutschsprachig, ansonsten problemlos auf Englisch – genügte, und das Problem war sofort behoben.

 Danach hält man die Karte lediglich an das Terminal und kann einfahren. Besonders praktisch ist die Möglichkeit, Stellplätze bereits vor der Anreise über die App zu reservieren. Da jeder Platz nur über eine festgelegte Anzahl an Stellflächen verfügt, ist eine Überbelegung ausgeschlossen.

 Ich muss sagen: Eine wirklich gelungene Lösung, die während unserer gesamten Reise völlig problemlos funktionierte.

 Anschließend setzten wir unsere Fahrt weiter nach Süden fort. Nach der Überquerung der Loire hielten wir uns rechts und erreichten Préfailles.

 Der dortige Camping-Car Park wurde unser nächster Übernachtungsplatz. Entlang des Küstenstreifens verläuft ein Wanderweg, der immer wieder Einblicke in verschiedene Busch- und Gehölzstreifen ermöglicht. Meine Hoffnung war, hier gezielt verschiedene Grasmücken beobachten zu können.

 Leider erwies sich unser Reisezeitpunkt bereits als etwas zu spät. Die meisten Kleinvögel hatten das Brutgeschäft offensichtlich schon weitgehend abgeschlossen. Unmittelbar neben dem Stellplatz befand sich jedoch eine größere Wiesenfläche, auf der zahlreiche Orchideen blühten und verschiedene Schmetterlinge unterwegs waren. Am Abreisetag setzte schließlich Regen ein, sodass außer einigen Aufnahmen von Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) keine weiteren fotografischen Highlights mehr hinzukamen.

 Es musste nun unbedingt wieder ein fotografisches Highlight her. Deshalb steuerten wir die uns von früheren Reisen bestens bekannte Île de Noirmoutier an und fuhren direkt zum kommunalen Campingplatz La Pointe am äußersten Ende der Ortschaft L'Herbaudière.

Bereits die Anfahrt ist jedes Mal aufs Neue ein Erlebnis. Vorbei an weitläufigen Salinen sowie zahlreichen Austern- und Muschelständen erreicht man die Insel auf besonders reizvolle Weise. Diesmal wählten wir die Brücke. Erwähnenswert ist jedoch auch die Zufahrt über die legendäre Passage du Gois – eine Straße, die nur bei Ebbe befahrbar ist und heute durch eine Ampelanlage gesichert wird. Wer diesen außergewöhnlichen Weg einmal mit dem Wohnmobil zurückgelegt hat, wird die Salzspuren am Fahrzeug anschließend kaum übersehen.

 

Stellplatztipp:

Campingplatz La Pointe

Großzügig angelegter Campingplatz am äußersten Ende der Ortschaft mit direktem Zugang zu den Sanddünen und zum Strand. Nur ein Holzzaun trennt den Platz von der Küste.

 Bereits auf dem Campingplatz begegnet man dem Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros), der Ringeltaube (Columba palumbus), der Turteltaube (Streptopelia turtur), dem Star (Sturnus vulgaris) und der bereits aus dem vorherigen Abschnitt bekannten Silbermöwe. Besonders die sehr scheuen Turteltauben waren für mich eine schöne Überraschung.

 Die Sanitäranlagen sind modern und gepflegt. Chemie-WC-Entsorgung, Grauwasserablass und Frischwasser stehen ebenso zur Verfügung wie verschiedene Einkaufsmöglichkeiten im nahen Ort. Der kleine Fischerei- und Jachthafen mit Bäcker, Restaurants und Bistros ist in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar. Ein kleiner Supermarkt befindet sich im Ortszentrum, größere Einkaufsmöglichkeiten sind mit dem Wohnmobil in etwa zehn Minuten erreichbar.

 

 Gerade die Lage des Campingplatzes macht ihn jedoch für Naturfotografen besonders interessant. Da die Insel spitz ins Meer ausläuft und sich unterhalb des Platzes bei Ebbe eine weit ins Meer reichende Felslandschaft freilegt, bietet sich hier ein außergewöhnlich artenreiches Rastgebiet für Wat- und Küstenvögel.

Zu beobachten waren Sanderling, Sandregenpfeifer, der Seeregenpfeifer (Charadrius alexandrinus), Flussregenpfeifer, Alpenstrandläufer, Meerstrandläufer, der Knutt (Calidris canutus), Zwergstrandläufer, der Regenbrachvogel (Numenius phaeopus), die Uferschnepfe (Limosa limosa), Pfuhlschnepfe, der Austernfischer (Haematopus ostralegus), Brandgans, der Seidenreiher (Egretta garzetta) sowie verschiedene Seeschwalben- und Möwenarten.

Vermisst habe ich allerdings die eigentlich fast obligatorischen Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe) und Strandpieper (Anthus petrosus). Auch andere Durchzügler, die ich von früheren Besuchen kannte, waren im Frühjahr 2026 nicht mehr anzutreffen. Woran das lag, kann ich nicht beurteilen. Solche Beobachtungen beschränken sich jedoch längst nicht mehr auf dieses Gebiet, sondern werden von vielen Naturbeobachtern aus zahlreichen Regionen Europas berichtet.

Wie an vielen Küstenabschnitten Frankreichs stellen leider freilaufende Hunde ein Problem dar. Bereits vor Sonnenaufgang sind die ersten Hundehalter mit ihren Vierbeinern an der Wasserlinie unterwegs. Leinen sieht man dabei nur selten – für viele rastende Watvögel bedeutet das unnötige Störungen.

 
 
 
 
 
 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 Dennoch kommt man hier als Naturfotograf voll auf seine Kosten. Fällt die Ebbe in die frühen Morgenstunden, bietet sich das weiche Morgenlicht für stimmungsvolle Aufnahmen an. Gleichzeitig hat man die trocken gefallenen Felsformationen meist noch nahezu für sich allein.

 Inzwischen haben wir diesen Platz bereits dreimal besucht, und noch nie wurde ich enttäuscht.

 Folgt man vom Campingplatz aus dem Wanderweg in südlicher Richtung, erreicht man nach einiger Zeit ausgedehnte Kiefernwälder. Auch dort dürfte es interessant sein, gezielt nach den typischen Waldvogelarten Ausschau zu halten. Leider habe ich das bis heute noch nicht geschafft.

 Auch die brachliegenden Salzgewinnungsbecken sind ein Paradies für Limikolen. Arten wie Säbelschnäbler (Recurvirostra avosetta), Stelzenläufer (Himantopus himantopus) und Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula) ziehen hier regelmäßig ihren Nachwuchs auf.

 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Nachdem sich unser ursprünglicher Plan, während dieser Reise verschiedene Grasmücken zu fotografieren, leider nicht verwirklichen ließ, wollte ich gezielt einen Singvogel aufsuchen, dem ich bereits früher begegnet war und von dem ich wusste, dass er im Gebiet des Bassin d’Arcachon in Südwestfrankreich vorkommt – den Orpheusspötter (Hippolais polyglotta) aus der Familie der Rohrsängerartigen (Acrocephalidae).

 Die Réserve ornithologique du Teich besteht seit mehr als 30 Jahren und bietet hervorragende Voraussetzungen für intensive Naturbeobachtungen. Für zahlreiche Zugvögel stellt sie einen wichtigen Rastplatz auf ihrem Weg zwischen den Brut- und Überwinterungsgebieten dar. Besonders die großen Weißstorchansammlungen ziehen immer wieder zahlreiche Besucher an.

 Das Mündungsdelta des Flusses Eyre wird hier von zwei Hauptarmen sowie mehreren Nebenarmen durchzogen. Das Gelände der Reserve ist eingezäunt und ausschließlich über das Informationszentrum zugänglich. Bei unserem Besuch betrug der Eintritt etwa zehn Euro pro Person; regulär öffnete der Park damals um 9.00 Uhr wird aktuell aber mit 10.00 Uhr beschrieben

 Für Naturfotografen gab es jedoch eine besonders interessante Möglichkeit. Auf Nachfrage erhielten wir Termine, an denen der Park bereits um 7.00 Uhr geöffnet wurde. Voraussetzung war allerdings, dass der Eintritt bereits im Voraus bezahlt war und man pünktlich erschien – denn ein Ranger öffnete das Eingangstor nur für wenige Minuten.

 Während unseres Rundganges gelangen mir zwar zwei Begegnungen mit dem Orpheusspötter, doch hatte ich den an diesem Tag herrschenden starken Wind unterschätzt. So entstanden lediglich einige Aufnahmen mit durchaus erkennbarem Steigerungspotenzial.

 Generell benötigt man im Gebiet als ambitionierter Naturfotograf auch eine Portion Glück. Zwar begegnet man entlang der Wege immer wieder verschiedenen Singvögeln – bis hin zur Nachtigall (Luscinia megarhynchos) –, gelegentlich entdeckt man einen ruhenden Reiher im Geäst oder fotografiert an einer eigens für Fotografen eingerichteten Wasserstelle, deren Wasseroberfläche sich nahezu auf Objektivhöhe befindet.

 Die übrigen Beobachtungshütten dienen dagegen in erster Linie der Vogelbeobachtung. Von dort lassen sich zahlreiche ziehende Limikolen, Schwarzkopfmöwen (Ichthyaetus melanocephalus) und viele weitere Vogelarten hervorragend beobachten – als Fotohides sind sie jedoch nur eingeschränkt geeignet.

 

 
 

 Leider machte uns das Wetter schließlich einen Strich durch die Rechnung. Ein Ende des Sturmtiefs war nicht abzusehen, sodass wir unsere ursprünglich geplanten Beobachtungen abbrechen mussten.

 Trotz mehrerer Begegnungen mit dem Orpheusspötter (Hippolais polyglotta) entschieden wir uns deshalb, unsere Reise fortzusetzen und auf französischer Seite entlang der Pyrenäen in Richtung Mittelmeer zu fahren.

 Nach einer weiteren Übernachtung auf einem Stellplatz des Camping-Car Park-Netzes, diesmal an den Ufern des Canal du Midi, erreichten wir am folgenden Tag Saintes-Maries-de-la-Mer und damit die Camargue.

 Dieser außergewöhnlichen Landschaft mit ihren weitläufigen Feuchtgebieten, ihrer einzigartigen Tierwelt und ihrer kulturhistorischen Bedeutung widmet sich ein eigener Reisebericht:

„Fototrip Aosta – Verdonschlucht – Camargue“