Vor vielen Jahren hatte ich die Idee, auf unterschiedlichen Gewässern mit einem Floating Hide – also einem Schwimmversteck – das Leben dort mit der Kamera zu dokumentieren.

 

 

 Da es damals kaum Erfahrungsberichte gab und die Zeit der käuflich erhältlichen Schwimmverstecke noch nicht gekommen war, begann ich, aus unterschiedlichen Materialien mein eigenes schwimmendes Versteck zu bauen.

 Schließlich entstand aus Dämmmaterial, wie es im Fassadenbau verwendet wird, und einer Dibondplatte ein U-förmiger Schwimmkörper. Die Dibondplatte diente gleichzeitig zur Verstärkung. In die Vorderseite fräste ich eine größere Öffnung und montierte einen alten, ölgedämpften Manfrotto-Stativkopf. Darüber befestigte ich ein klappbares Ansitzversteck aus Holzlatten – nur etwa halb so hoch wie ein Ansitzversteck, das ich auf der Fotopirsch an Land verwende.

 Nun konnte es losgehen.

 Schon nach den ersten Einsätzen wurde deutlich, dass die Wathose nicht nur wasserdicht, sondern auch ausreichend warm sein musste, um längere Aufenthalte im Wasser zu ermöglichen. Nach mehreren Versuchen sowie einigen undichten Hosen und Stiefeln entschied ich mich schließlich für eine Wathose von Daiwa – teilweise aus Neopren, teilweise aus Gewebe gefertigt und, aus Sicherheitsgründen, unbedingt mit Bauchgurt.

 Da das Schwimmversteck aus zwei Teilen besteht – dem Schwimmkörper und dem klappbaren Ansitzversteck –, lässt es sich auch heute noch problemlos im Kofferraum eines größeren Fahrzeugs transportieren.

 

 

 Zuallererst sei gesagt: Für alle Einsätze in heimischen Gewässern ist selbstverständlich die Genehmigung des Besitzers, Pächters oder Fischereirechtsinhabers erforderlich. Manchmal ist es zudem hilfreich, wenn der zuständige Jagdausübungsberechtigte seine schützende Hand über einen hält. Hier habe ich ausschließlich gute Erfahrungen gemacht und während meiner zahlreichen Einsätze nie irgendwelche Konflikte erlebt.

 Das wichtigste Thema auf dem Wasser ist die Sicherheit.

 Alle Wathosen haben durch die eingeschlossene Luft in den Stiefeln die Eigenschaft, beim Verlust des Bodenkontakts die Beine nach oben steigen zu lassen. Durch den Auftrieb einer Wathose aus Neopren ist man im Wasser zwar deutlich leichter als an Land, sollte dieser Kippvorgang jedoch einmal eintreten, muss man versuchen, sich mit den Ellbogen am Schwimmkörper abzustützen und mit den Füßen vorsichtige Paddelbewegungen in Richtung Ufer zu machen. Das mag sich zunächst lustig anhören – wer es jedoch einmal erlebt hat, wird darüber nicht mehr lachen.

 Deshalb gilt als wichtigste Regel überhaupt: Immer einen Fuß vor den anderen setzen, um jederzeit sicheren Bodenkontakt zu behalten. Besonders wichtig ist das an Steilufern, wie sie beispielsweise Baggerseen häufig aufweisen. Bei schlammigem Untergrund sollte die Tragfähigkeit des Bodens stets überprüft werden. Wer einmal im Morast oder Faulschlamm feststeckt, weiß, wie schwierig es ist, sich aus eigener Kraft wieder zu befreien.

 Ist man erst einmal vor Sonnenaufgang auf dem Wasser, sind alle anfänglichen Unannehmlichkeiten schnell vergessen. Wer die Ruhe und Friedlichkeit dieser besonderen Atmosphäre erlebt, lässt den Alltag hinter sich und konzentriert sich nur noch auf seine unmittelbare Umgebung.

 Verschiedene Wasservögel wie Blässhuhn (Fulica atra) und Teichhuhn (Gallinula chloropus), Lappentaucher wie Haubentaucher (Podiceps cristatus) und Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis), Enten wie Reiherente (Aythya fuligula), Stockente (Anas platyrhynchos) und Tafelente (Aythya ferina), Graureiher (Ardea cinerea) und Zwergdommel (Ixobrychus minutus), Singvögel wie Rohrammer (Emberiza schoeniclus) und Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus), Durchzügler wie Ortolan (Emberiza hortulana), Blaukehlchen (Luscinia svecica) und Zitronenstelze (Motacilla citreola), wasserliebende Arten wie Bachstelze (Motacilla alba), Schafstelze (Motacilla flava) und Gebirgsstelze (Motacilla cinerea) sowie rastende Limikolen wie Waldwasserläufer (Tringa ochropus), Bruchwasserläufer (Tringa glareola), Kampfläufer (Calidris pugnax), Grünschenkel (Tringa nebularia), Flussregenpfeifer (Charadrius dubius), Flussuferläufer (Actitis hypoleucos), Zwergstrandläufer (Calidris minuta) und Alpenstrandläufer (Calidris alpina) sowie in den Wintermonaten insbesondere Bekassine (Gallinago gallinago) und Zwergschnepfe (Lymnocryptes minimus) können – je nach Jahreszeit – an heimischen Kleingewässern beobachtet werden.

 Entscheidend ist dabei die Struktur des Gewässers: Je offener und flacher die Uferbereiche sind, desto häufiger trifft man Limikolen und Durchzügler an. Je dichter dagegen die Ufervegetation ist, desto eher nutzen heimische Wasservögel diese Gewässer als Brutgebiet.

 Man sollte sich jedoch nicht täuschen lassen. Viele der genannten Arten – insbesondere Entenvögel, aber auch Schnepfenvögel – reagieren auf ein Schwimmversteck äußerst scheu und flüchten bereits auf größere Distanz. Hier helfen oft nur große Geduld und eine Annäherung in kleinsten Schritten.

 In besonderen Situationen ist dieser Fluchtinstinkt allerdings deutlich reduziert, nämlich dann, wenn heimische Vogelarten ihre Jungen führen. Mit Nest oder Jungvögeln anzutreffen sind vor allem Graugans (Anser anser), Stockente, Reiherente, Haubentaucher und Zwergtaucher sowie unsere verschiedenen Rallenarten.

 Eigentlich ist es selbstverständlich, dennoch möchte ich es ausdrücklich erwähnen: Hier ist besondere Umsicht geboten. Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet jede vermeidbare Störung. Häufig genügt es, das Schwimmversteck zu Wasser zu lassen und anschließend ruhig an einer geeigneten Stelle zu verharren. Nach einer gewissen Gewöhnungszeit nähern sich viele Vogelarten von selbst wieder an. Ebenso wichtig ist es, sich vorab zu vergewissern, dass man sich nicht unbemerkt einem Nest mit Gelege oder frisch geschlüpften Jungvögeln nähert und dadurch den Bruterfolg gefährdet.

An dieser Stelle appelliere ich an die Vernunft jedes einzelnen Naturfotografen. Es sollte selbstverständlich sein, der Natur bei unserer Leidenschaft niemals Schaden zuzufügen.

 Glücklicherweise befinden sich in der Nähe meines Wohnortes mehrere Kleingewässer mit noch intakten Lebensräumen. Dort war es mir vergönnt, Zwergtaucher über viele Wochen bei der Aufzucht ihrer Jungen zu fotografieren, seltene Bruterfolge der Reiherente mit der Kamera zu begleiten, Graureiher und Eisvogel (Alcedo atthis) beim Fischfang zu beobachten, Uferschwalbe (Riparia riparia) an ihrer Brutwand ebenso wie heimische Flussuferläufer und Flussregenpfeifer zu fotografieren sowie die meisten der durchziehenden Limikolen festzuhalten.

 Im Frühjahr und Herbst machen sich viele nordische Brutvögel auf ihre Wanderung – im Frühjahr in Richtung ihrer Brutgebiete im Norden, im Herbst auf dem Weg in ihre südlichen Winterquartiere.

 

Hier sehen wir Waldwasserläufer (Tringa ochropus), Bruchwasserläufer (Tringa glareola), Dunkelwasserläufer (Tringa erythropus) und Grünschenkel (Tringa nebularia), typische Zugvögel auf Rast in unserer Gegend.

Der Flussuferläufer (Actitis hypoleucos), ist ein Brutvogel des Alpenvorlandes. Der kleine Flussregenpfeifer (Charadrius dubius, Syn.: Thinornis dubius) liebt offene Kiesgruben und flache Kiesbereiche und schreitet dort auch in meiner unmittelbaren Umgebung zur Brut.

Für jeden Naturfotografen ist es ein Traum, die Jungenaufzucht unserer Wasservögel – Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis), Stockente (Anas platyrhynchos) und Reiherente (Aythya fuligula) – mit der Kamera begleiten zu dürfen. Hier war das Schwimmversteck die Voraussetzung, um dieses Schauspiel – ohne die Tiere zu stören – fotografieren zu können.

Die Zwergdommel (Botaurus minutus, Synonym: Ixobrychus minutus) und der Graureiher (Ardea cinerea) nutzen gerne Kleingewässer zur Fisch- und Froschjagd. Mit scharfem Blick stoßen sie plötzlich mit dem Schnabel durch die Wasseroberfläche und fangen, was in die Gefahrenzone gerät.

Zwei Rallenarten, die häufig an und auf unseren heimischen Kleingewässern anzutreffen sind, sind das Teichhuhn und das etwas größere Blässhuhn.

Aber nicht nur Wasservögel nutzen unsere Kleingewässer. Auch zahlreiche Singvögel rasten hier während des Vogelzuges, um nach Nahrung zu suchen und so ihre Energiereserven wieder aufzufüllen.

So gehören Gebirgsstelze (Motacilla cinerea) und Bachstelze (Motacilla alba) zu den Arten, die regelmäßig zu beobachten sind. Auch die Rohrammer (Emberiza schoeniclus) – hier ein Weibchen – profitiert vom reichhaltigen Nahrungsangebot der Uferzonen und nutzt geeignete Kleingewässer gelegentlich sogar als Brutrevier.

Der farbenprächtige und wärmeliebende Ortolan (Emberiza hortulana) dagegen zählt bereits zu den besonderen Beobachtungen. In Deutschland gehört er zu den seltenen Vogelarten und gilt aufgrund der intensiven Landwirtschaft sowie des Verlustes geeigneter Brutlebensräume als stark gefährdet.

Seit vielen Jahren beteilige ich mich in meiner näheren Umgebung an offiziellen Naturschutzmaßnahmen wie dem Kiebitz-Monitoring. Finanziert durch die Regierung von Oberbayern und koordiniert durch die Landschaftspflegeverbände wird hier mit großem Engagement – haupt- wie ehrenamtlich – versucht, den letzten Kiebitzen (Vanellus vanellus) unserer Agrarlandschaft das Überleben zu ermöglichen.

Leider bleiben dabei auch massive Rückschläge nicht aus.

Umso größer war das Glücksgefühl, als ich – eigentlich schon viel zu spät im Jahr für eine Kiebitzbrut und bei bereits weit fortgeschrittener Vegetation – am Rand eines Gewässers auf einer kleinen Kiesfläche plötzlich von einem Altvogel geführte, noch sehr junge Kiebitze entdeckte.

Genau solche Augenblicke zeigen mir immer wieder, dass jeder Tag in der Natur für eine große Überraschung gut sein kann.